Pfarrer-Ehepaar stirbt bei Busunglück

Heinz-Wilhelm (66) und Ricarda Weber (60) kommen auf Madeira ums Leben

Heinz-Wilhelm Weber und Ricarda Tessmann heirateten 1982 in der Christuskirche

„Wir waren ein Dreamteam“:Pfarrer Heinz-Wilhelm Weber (rechts), Pfarrer Bernd Rosewich und Pfarrerin Bärbel Wilde wirkten in den 1980er-Jahren gemeinsam in Lüdenscheid. FOTOS: ARCHIV

VON INGRID WEILAND UND JAN SCHMITZ
Lüdenscheid – Bei einem Busunglück auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira kamen 29 Menschen ums Leben. Der mit Touristen besetzte Bus war am 17. April in einer engen Kurve von der Straße abgekommen, einen Abhang hinabgestürzt und auf dem Dach eines Wohnhauses liegen geblieben.
Nach einem Bericht des „Mindener Tageblatt“ sind unter den Opfern auch Heinz-Wilhelm (66) und Ricarda Weber (60).
Das Pfarrer-Ehepaar aus Minden hatte eine enge Verbindung zu Lüdenscheid. Das Ehepaar Weber lebte und wirkte zehn Jahre in der Bergstadt – von 1981 bis 1991. Heinz-Wilhelm Weber war 1981 von der Kirchengemeinde Nierenhof (Kirchenkreis Hattingen-Witten) nach Lüdenscheid gewechselt und wurde hier Pastor des damaligen Wildmecker Pfarrbezirks der Christuskirchengemeinde. 1982 heiratete er Ricarda Tessmann in der Christuskirche. Zusammen lebte das Ehepaar bis 1991 im Pfarrhaus an der Westfalenstraße.
„Wir waren ein Dreamteam“, erinnert sich Pfarrerin i. R. Bärbel Wilde an die gemeinsame Zeit mit Pfarrer Weber. Zum „Dreamteam“ gehörte auch Pfarrer Bernd Rosewich. „Heinz-Wilhelm Weber hatte ein besonderes Herz für die Jugend. Es war sein Ziel, Menschen vor den Toren der Kirche zu erreichen und für den Glauben zu gewinnen“, berichtet Bärbel Wilde. In Erinnerung geblieben sind ihr auch die Mut machenden Predigten und die Altpapiersammlungen, die Weber in den 1980er-Jahren zusammen mit Jugendlichen durchführte.
„Die Nachricht vom Tod des Ehepaars hat mich völlig erschüttert. Wenn so etwas passiert, bekommt ein solches Unglück plötzlich einen persön-
lichen Bezug“, sagt die Pfarrerin im Ruhestand.
Am Samstag informierte sie im Monatsschlussgottesdienst in der Christuskirche über den Tod des ehemaligen Lüdenscheider Pfarrers und seiner Frau. Es herrschten betretene Stille und große Betroffenheit in der Gemeinde, sagt Wilde. Viele Gemeindemitglieder konnten sich noch an ihn und seine Ehefrau erinnern. Weber hatte hier hunderte Lüdenscheider konfirmiert. Zuletzt waren er und seine Frau Ende der 2000erJahre anlässlich einer silbernen Konfirmation vor Ort.
1991 kehrte der gebürtige Lipper in seine Heimat zurück und übernahm die Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Leteln und Aminghausen. 2011 ging Heinz-Wilhelm Weber in den Vorruhestand. Seine Frau und er blieben aber weiterhin in der Gemeinde aktiv und führten unter anderem Ferienfreizeiten durch. „Vor zwei Jahren entdeckten die beiden dann die Europareisen für sich. Sizilien, Algarve, Irland: Stets flog das Ehepaar an einen interessanten Ort und machte dort Bustouren“, schreibt das „Mindener Tageblatt“ in einem Nachruf. Am 16. April reisten sie nach Madeira. Am Abend des nächsten Tages kam es nahe der Stadt Funchal zu dem tödlichen BusUnfall. Das Paar hinterlässt zwei erwachsene Töchter.
Fünf Tage nach dem Unglück informierte das Auswärtige Amt eine Tochter der Eheleute über den Unfalltod ihrer Eltern. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Minden zeigte sich bestürzt über den Tod des unter Kollegen und in der Gemeinde beliebten Paares.
Laut Bericht des „Mindener Tageblatts“ hatte sich Ricarda Weber eine Party gewünscht, „wenn sie mal gehen muss“. Diese „Party“ bereiten die Töchter nun vor. Ein Termin steht noch nicht fest: Die Leichen wurden noch nicht nach Deutschland überführt. Wenn es so weit ist – sagt Bärbel Wilde – will auch eine Delegation aus Lüdenscheid Abschied vom ehemaligen Pfarrer und seiner Frau nehmen