Noch keine Gottesdienste am ersten Maiwochenende

Kirchengemeinden brauchen erste individuelle Hygiene- und Abstandskonzepte

VON BETTINA GÖRLITZER
Lüdenscheid – So sehr viele Gläubige es begrüßen dürften, dass Kirchen und Landesregierung beschlossen haben, ab den 1. Mai wieder Gottesdienste zu ermöglichen, über das Ziele hinausschießen möchte niemand.
In Lüdenscheid wird es voraussichtlich wohl noch bis mindestens zum 10. Mai dauern, bis Gottesdienste in evangelischen und katholischen Kirchen nicht mehr nur virtuell gefeiert werden.
Sowohl Klaus Majoress, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, als auch Andreas Rose, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Medardus, betonen, dass erst Hygiene- und Abstandskonzepte erarbeitet werden müssen, bevor Gemeinden daran
denken können, ihre Kirchen wieder für Gottesdienste öffnen zu können.
Da dabei auch die Größen und baulichen Gegebenheiten der jeweiligen Giotteshäuser berücksichtigt werden müssen, werde es dafür keine allgemein gültigen Lösungen geben können.
In der katholischen Pfarrei, zu der alle vier katholischen Kirchen der Stadt gehören, berät sich das Pastoralteam am 4. Mai, wie die Vorgaben umgesetzt werden können.
Da für den 30. April ohnehin neue Einschätzungen der Bundesregierung erwartet würden, könne man die paar Tage auch noch abwarten,
erklärt Rose.
Das Bistum Essen rate derzeit unter anderem dazu, dass ältere Menschen mit Vorerkrankungen und jeder, der sich krank fühle auch weiterhin den Gottesdiensten fernbleiben solle. Das sogenannte Sonntagsgebot für Katholiken bleibe  aufgehoben.
Außerdem gibt es Hinweise dazu, wie die Eucharistie unter Infektionsschutzbedingungen gefeiert werden könne. Dazu zieht Rose in Erwägung, vermehrt Wortgottesdienste anstelle von Messen mit Eucharistie zu feiern.
Grundsätzlich einfacher sei es, in den katholischen Gemeinden mit den Gottesdiensten während der Woche zu beginnen, da die in der Regel weniger stark besucht seien als die Hauptgottesdienste am Sonntag.
Markierungen in Kirchenbänken, um Abstände einzuhalten oder Übertragungen bei gutem Wetter nach draußen – all das könnten Überlegungen sein.
Klaus Majoress kündigt an, dass das Thema am heutigen Montag im Mittelpunkt der wöchentlichen Superintendentenkonferenz stehen werde.
Aber letztlich müssten in den evangelischen Gemeinden alles Presbyterien für sich selbst planen und entscheiden, wie sie die Vorgaben umsetzen können und entsprechende Materialien wie Desinfektionsmittel besorgen können.
Die Landeskirche von Westfalen hatte ohnehin geplant, in dieser Woche mit den Planungen zu beginnen. Da habe die „Landesregierung mit ihrer Verlautbarung die Zeitschiene auf einmal ziemlich kurzfristig werden lassen. Und das funktioniert nicht“, sagt Majoress.
Auf jeden Fall werde erst einmal an allen bisherigen Lösungen festgehalten – dazu zählen neben Öffnungen von Kirchen zu stillen Andachten und Gebet Gottesdienste oder Impulse via Internet oder Telefon. Das könnte auch weitergeführt werden, für all diejenigen, die noch auf einen Gottes-
dienstbesuche verzichten wollen oder müssen.