Gott ist auch eine Mutter

 

Von Sebastian Schultz

Vor fast 100 Jahren wurde der Muttertag vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber ins Leben gerufen. Und noch heute wird in der Muttertagswoche mit 130 Millionen Euro der größte Jahresumsatz mit Schnittblumen generiert.
Die Amerikanerin, die den Muttertag 1907 ins Leben gerufen hatte, hat später wegen dieser Kommerzialisierung für die Abschaffung desselben gekämpft, allerdings erfolglos. Und so beschenken wir fleißig weiter und versuchen, unseren Müttern für all ihre Liebe, Hingabe, Zeit und Kraft Danke zu sagen.
Ganz und gar erstaunlich ist, dass in der Bibel von Gott auch als einer Mutter die Rede ist. In der vorderorientalischen, streng patriarchalischen Gesellschaft, in der den männlichen Göttern stets eine weibliche Gottheit an die Seite gestellt wurde, verbot es sich, dem Höchsten Gott auch weibliche Seiten zuzugestehen.
Allerdings erlebten die Menschen des Volkes Gottes die Nähe und Fürsorge Jahwes so liebevoll und einfühlsam, dass sie gar nicht anders konnten, als von Gott auch im Bild einer Mutter zu sprechen. Ihr Gott Jahwe begegnete ihnen wie eine Mutter: zärtlich, fürsorgend, tröstend, nah, liebevoll und einfühlsam. So erlebten sie Gottes Handeln in ihrem Leben. Und so verkündet der Prophet Jesaja das Versprechen Gottes: „Ich will dich trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. (Jes. 66,13)
Viele Menschen stellen sich einen allmächtigen Gott als starken Mann vor. Wer mit diesem Gott allerdings sein Leben lebt, erfährt immer wieder und vor allem das sanfte und einfühlsame Handeln Gottes: seinen Trost und seine Ermutigung, Geborgenheit, Nähe und sein Verständnis.
Im Gebet und der Begegnung mit Gott im Bibellesen und in Gottesdiensten begegnet mir Gott auf diese mütterliche Weise.
Auf jeden Fall ist der Muttertag ein guter Anlass, nicht nur unseren Müttern, sondern auch Gott für seine liebevolle Mütterlichkeit zu danken, mit der er uns begegnet!
Sebastian Schultz, Pfarrer der Evangelischen Christus- Kirchengemeinde