Eins mit Werk und Instrument

Felix Hell begeistert in der Christuskirche mit seinem Album „Poetic Visions“

Ein nahbarer Künstler: Fleißig gab Felix Hell nach dem Konzert Autogramme

Die Augen zur Empore gerichtet: Die Kirche war am Sonntagaend gut besucht.

Lüdenscheid – In der ersten Juliwoche 2018 spielte der Organist Felix Hell sein Album „Poetic Visions“ auf der Walcker-Orgel in der Christuskirche ein.
Am Sonntag wurde das Werk vom Interpreten persönlich live auf dem Instrument in der gut besuchten Christuskirche präsentiert. Und natürlich hatten die Gäste die Möglichkeit, das Album vor Ort zu erwerben und es sich von dem in den USA lebenden Weltklasse-Organisten signieren zu lassen, der in diesem Jahr eine große Deutschland-Tour absolvieren wird.
Die auf dem Album enthaltenen Werke hat Felix Hell eigens für die historische Orgel in der Christuskirche ausgewählt, die er vor zehn Jahren nach deren Restaurierung und Instandsetzung mit einem ersten Konzert einweihte.
Hell eröffnete mit der Toccata in d-Moll und der Fuge dDur op 59 von Max Reger, einem Präludium, das der Organist auf seinem Album als Einstimmung auf den tonalen Geschmack der Gesamtauf-nahme ausgewählt hat. Das Stück zeichnet sich durch dramatische Passagen im Wechsel mit ruhigen Einschüben aus, was zu einer besonderen Dynamik führt. Von großer Komplexität ist der umfassende Orgelzyklus von Josef Gabriel Rheinberger, der aus 12 Charakterstücken besteht. Rheinberger war zu seinen Lebzeiten einer der meistgespielten Komponisten des 19. Jahrhunderts und stand auf einer Ebene mit Größen wie Bruckner oder Brahms – eine Stellung, die die am Sonntag interpretierten Charakterstücke eindrucksvoll unterstreichen. Im Anschluss an das schwelgerische Präludium eröffnet sich dem Zuhörer ein Kaleidoskop unterschiedlicher kurzer Werke, das von einer in sich gekehrten Romanze über ein heiter-tänzerisches Intermezzo und eine feierliche Pastorale bis hin zum finalen, kraftvollen Trauermarsch reicht.
Diesen vielschichtigen und abwechslungsreichen musikalischen Strauß legte Ausnahme-Organist Felix Hell, dessen Spiel einschließlich der Fußarbeit wie gewohnt auf einer großen Leinwand mitverfolgt werden konnte, seinem Publikum gewohnt aussagekräftig, atmosphärisch und jederzeit eindrucksvoll zu Füßen, nicht ohne die Möglichkeiten seines Instrumentes bis ins Detail auszureizen.
Nach der Pause, in der die Gäste einen Imbiss einnehmen und für den Erhalt der historischen Walcker-Orgel spenden konnten, wurde der Star-Organist bei der mal dramatischen, mal in sich
gekehrten Sonate Nr. 6 in dMoll von Felix MendelssohnBartholdy, auch Vater-unserim-Himmelreich-Sonate genannt, einmal mehr eins mit Werk und Instrument. Im Anschluss an die leise, still und andächtig anmutenden Fuge in as-Moll von Johannes Brahms, ein weithin unterschätztes Frühwerk des Komponisten, bildeten Präludium und Fuge über B-A-C-H von Franz Liszt, das wohl bekannteste Werk des Albums, auch den musikalischen Höhepunkt des Abends.
Während des oft unheilvoll und dramatisch erscheinenden Werkes war es den Zuschauern ein letztes Mal möglich, die meisterhaft koordinierte Handund Fußarbeit des Organisten während einiger virtuoser Passagen zu verfolgen.
Als Zugabe spielte Hell nach lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen den letzten Satz der Sonate Nr. 1 von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Welchen Stellenwert Felix Hell an seinem Instrument inzwischen hat, wird durch die zahlreichen, bedeutsamen Auftrittsorte deutlich, die er im Rahmen seiner diesjährigen Tour bespielen wird. Nach dem Tourstart im Oratoire du Louvre - dem protestantischen Tempel des Louvre - in Paris wird Hell unter anderem im Berliner Dom, im Ulmer Münster, in der Frauenkirche in München sowie im Regensburger Dom zu hören sein.