Alle sechs Tage in den Kirchturm

Wolf-Dieter Thomas erinnert sich an seine Zeit als Presbyter / Gottesdienst

Wolf-Dieter Thomas wirkte 38 Jahre lang als Pres-byter der Christuskirche und hat sich insbesondere um die Kindergärten verdient gemacht.

Diese zwölf Männer und Frauen bilden seit dem Frühjahr das neue Presbyterium der Christuskirchengemeinde. FOTOS: GÖRLITZER

Sechs ehemalige Presbyter wurden verabschiedet. Die Pfarrer Rainer Gremmels und Sebastian Schultz bedankten sich für das mitunter langjährige Engagement.

VON BETTINA GÖRLITZER Lüdenscheid –
Im Corona-Jahr ist so gut wie nichts, wie man es gewohnt ist. Und so haben auch die im Frühjahr neu gewählten Presbyterien in den evangeli-
schen Kirchengemeinden fast unbemerkt ihre Arbeit aufgenommen.
Die sonst üblichen feierlichen Verabschiedungen und Einführungen im Beisein de Gemeinde mussten seinerzeit ausfallen. Einzelne Gemeinden haben diese aber inzwischen nachgeholt, nicht zuletzt auch, um sich bei den ausscheidenden Presbytern für ein mitunter langjähriges, oder gar jahrzehntelanges Engagement zu bedanken.
In der Christuskirche wurde der Gottesdienst zum Reformationstag für diesen Anlass gewählt. Da dieser mit dem traditionellen Monatsschluss-
gottesdienst zusammenfiel, hielt Pfarrerin i.R. Bärbel Wilde die Predigt, während die amtierenden Gemeindepfarrer Rainer Gremmels und Sebastian Schultz die Einführung und Verabschiedung der Presbyter übernahmen.
Am Abend war die Kirche zudem mit verschiedenen Gebetsstationen zur persönlichen Andacht bei stimmungsvollem Licht und Musik geöffnet.
Neu oder wieder als Presbyter eingeführt wurden Claudia Adams-Kuhbier, Gerta Bappert, Felix Dohrmann, Dietmar Giedinghagen, Jürgen Groll, Marvin Heß, Ute Heye, Gabriele Koch, Britta Müller, Martin Reininghaus, Wolfgang Schlootz und Britta Stanko.
Verabschiedet wurden Karl-Heinz Helmes, Ute Leitner, Irmgard Neufert, Thomas Ottofülling, Uwe Reininghaus und Wolf-Dieter Thomas.
Von Bärbel Wilde überredet
Letzterer ragt mit seinem Engagement aus den Reihen der zahlreichen Ehrenamtlichen heraus, auch wenn langjähriger, mitunter jahrzehnte-
langer Einsatz nicht selten ist: 38 Jahre war WolfDieter Thomas Presbyter der Christuskirchengemeinde und war dabei auch über Gemeinde-
grenzen bekannt und aktiv.
Er erinnert sich im Gespräch mit den LN noch gut, wie alles 1982 angefangen hat: Die damalige Pfarrerin Bärbel Wilde habe ihn überredet, für
das Presbyterium zu kandidieren. „Es gebe nicht viel zu tun, hat sie gesagt“, erzählt Thomas schmunzelnd. Denn er hat schnell erfahren, dass es mit regelmäßigen Sitzungen und Diensten in den Gottesdiensten in einem Presbyterium nicht getan ist. Dass er sich ins Presbyterium wählen ließ und seit Jahrzehnten vielfältig für die Gemeinde engagiert, habe sich zwar „schlicht und ergreifend ergeben“, aber die zahlreichen Aufgaben, waren dann doch mehr als einfach nur „nebenbei erledigt“. Seine Berufung fand WolfDieter Thomas in der Arbeit mit und für die Kindergärten, als Vorsitzender des Kindergartenausschusses der Gemeinde und später als Mitglied im Leitungsausschuss des Trägerverbandes auf Kirchen-
kreisebene. Er kümmerte sich um die Personalplanung, arbeitete sich in die Gesetzgebung ein und unterstützte die Kindergartenleitungen, wo er konnte. Zudem war er auch ganz viel selbst in den Kindergärten präsent. Darüber hinaus war Thomas lange Jahre Vorsitzender und später noch stellvertretender Vorsitzender des evangelischen Gemeindeverbands als Friedhofsträger. Und als stellvertretender Baukirchmeister kennt er die Immobilien der Gemeinde wie kaum ein anderer – auch da war immer wieder seine jahrzehntelange Erfahrung gefragt. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass Wolf-Dieter Thomas in früheren Jahren sogar alle sechs Tage in den Kirchturm hochgestiegen ist, um die Turmuhr zu stellen – ein Gefallen für seine Ehefrau, die Küsterin der Gemeinde war. Thomas ist überzeugt: „Kirche lebt von Ehrenamtlichen.“ Aber das, was er mehr als 38 Jahre für und mit der Gemeinde geleistet habe, sei dennoch außergewöhnlich, betont Pfarrer Rainer Gremmels. Thomas’ Engagement ging immer weit über das Notwendige hinaus und wurde von vielen geschätzt, Viel hat sich in den fast 40 Jahren, in denen Wolf-Dieter Thomas dem Presby-
terium angehörte, geändert.
Das Presbyterium
Zum Presbyterium, dem Leitungsgremium einer evangelischen Kirchengemeinde, gehören ehrenamtliche gewählte Presbyter und Presbyterinnen sowie die jeweiligen Pfarrstelleninhaber einer Gemeinde.
Alle personellen, finanziellen und baulichen Angelegenheiten einer Gemeinde gehören zu den Aufgaben des Presbyteriums. Es stellt zum Beispiel alle haupt- amtlichen Mitarbeiter ein und übernimmt die Dienstaufsicht, beauftragt Ehrenamtliche und legt die Gottesdienstzeiten fest. Außerdem entsendet das Presbyterium Abgeordnete in die Kreissynode, die über die Belange des Kirchenkreises, darunter auch die Haushaltspläne, ent-
scheidet.
Presbyter werden für jeweils vier Jahre gewählt, eine Wiederwahl ist möglich. Nach Vollendung des 75. Lebensjahres ist nach Ablauf der Amts-
periode keine Wiederwahl mehr möglich.
INFO
Alle sechs Tage in den Kirchturm Wolf-Dieter Thomas erinnert sich an seine Zeit als Presbyter / Gottesdienst der Christuskirchengemeinde angehörte, verändert.
Am deutlichsten fallen ihm die Veränderungen bei den Pfarrstellen auf. 1982 gab es noch vier Pfarrer, inzwischen sind es noch zwei.
Aber auch bei den Kindergärten hat sich viel getan, wie die Entstehung der Familienzentren oder der Wandel in der Trägerstruktur. Besonders schwer gefallen ist Thomas die Aufgabe der Trägerschaft des Kindergartens an der Friesenstraße. Die Leitung hat eine Elterninitiative über-
nommen.
Mit der Christuskirche verbunden ist Wolf-Dieter Thomas schon seit seiner Jugend, als er das Jugendheim an der Mathildenstraße besuchte. Dennoch sind die Nähe zur Kirche und zum Glauben erst über die Jahre so richtig gewachsen, erzählt er. „Ich fühle mich wohl in der Gemeinde und bin zufrieden, wie es ist.“
Deshalb wird Wolf-Dieter Thomas auch nach seinem Ausscheiden aus dem Presbyterium weiter im Gemeindeleben präsent bleiben. Und neben den vielen Freunden und Bekannten rund um die Christuskirche ist da noch die Familie mit den fünf Enkelkindern. Um all das wieder unein-
geschränkt genießen zu können, hofft nicht nur Thomas darauf, dass möglichst bald keine Kontaktbeschränkungen und Hygieneschutzkonzepte mehr nötig sein werden.