ZUM SONNTAG

„Sein Leben für jemanden geben“

Vor einem Jahr ging es durch die Medien: Der italienische Priester Giuseppe Berardelli
war im Alter von 72 Jahren an Corona erkrankt und musste ins Krankenhaus. Doch wie
die BBC berichtete, lehnte der die Behandlung ab. Das Beatmungsgerät solle besser für
einen jüngeren Patienten verwendet werden, habe Berardelli gesagt.
Die Ärzte erfüllten seinen Wunsch, und nur wenig später starb er im Krankenhaus.
Als sein Sarg ins Krematorium gebracht wurde, applaudierten die Einwohner der Klein
stadt Casnigo von ihren Balkonen aus dem Mann, der sein Leben für einen jüngeren ge-
geben hatte.
Doch später wurden Zweifel laut an dieser Darstellung. Berardelli solle die Beatmung abgelehnt haben, weil er
sie nicht habe vertragen können. Das berichtete ein katholisches Nachrichtenportal mit dem Hinweis, dass Berar-
delli aber trotzdem ein vorbildlicher Mensch gewesen sei, der sein Leben in den Dienst der Gemeinschaft gestellt
habe.
Also doch keine Tat der Nächstenliebe? Wie es sich wirklich zugetragen hat, ist für uns wohl nur schwer herauszu-
finden.
Dass einer sein Leben für jemand anderen gibt, bleibt für uns kaum vorstellbar. Und doch lesen wir in der Bibel,
dass Jesus Christus wirklich für uns in den Tod gegangen ist, um das auf sich zu nehmen, was uns von Gott trennt.
Jesus erlitt Verachtung, Leiden und Tod um uns den Weg zu Gott zu ebnen. In einer Zeit, in der die Parole gilt:
„Rette sich, wer kann!“, rechnet kaum jemand damit, dass einer nicht darauf aus ist, den eigenen Kopf zu retten,
sondern unseren.
Bei Jesus war das aber so, daran gibt es keinen Zweifel.
In der Passionszeit denken wir daran, dass Jesus das alles aus Liebe zu uns getan hat. Das ist die zuverlässige Nach-
richt in diesen Tagen: „Und das ist die wahre Liebe: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns zuerst geliebt
und hat seinen Sohn gesandt, damit er uns von unserer Schuld befreit“ (1. Joh 4,10).

Pfarrer Rainer Gremmels, Evangelische Christus-kirchengemeinde