In der amerikanischen Comic-Fernsehserie „Die Simpsons“ kommt der Sohn der Familie Simpson „Bart Simpson“ vor. Bart ist zehn Jahre alt und mit seinen zehn Jahren ziemlich vorlaut und rebellisch. In einer Folge soll Bart ein Tischgebet beim Essen sprechen. Und Bart Simpson betet so: „Lieber Gott, wir danken dir für gar nichts, wir haben alles selbst bezahlt. Amen.“
Leider wird Bart von seinen Eltern für seine vorpubertäre Provokation nicht zurechtgewiesen. Man hätte ihm am liebsten gesagt, dass er besser sein Hirn eingeschaltet hätte, statt so frech daherzureden. Aber drückt nicht Bart Simpson mit seinem Gebet eine Haltung aus, die wir in unseren Tagen auch oft selbst an den Tag legen?

Dass wir bei all dem, was wir zum Leben brauchen und was wir zum Leben haben, den Geber all dieser Gaben vergessen?

Manchmal ist es vielleicht nötig, dass vor dem Danken erst einmal das Denken steht. Beide Wörter gehören nämlich auch sprachlich zusammen. „Danken“ kommt tatsächlich von „Denken“ und bedeutet von seiner sprachlichen Herkunft soviel wie: „jemanden in Gedanken halten“. Wenn wir Gott als den Geber der guten Gaben „in Gedanken halten“, dann verändert das unsere Sicht auf unser Leben und auf die Dinge, die wir genießen und benutzen dürfen. Die Dankbarkeit verhindert nämlich, dass wir das alles als selbstverständlich ansehen, was uns Gott schenkt. Sie verhindert auch, dass wir gleichgültig mit seiner Schöpfung umgehen, die uns Lebensraum und Lebensmittel zur Verfügung stellt. Und sie öffnet uns die Augen dafür, dass wir die Gaben mit anderen teilen können und teilen sollen.

Der Erntedanksonntag morgen kann uns helfen, aus unserer Gedankenlosigkeit zu einem neuen Denken und damit auch zu einem neuen Danken zu finden.

Pfarrer Rainer Gremmels, Evangelische Christuskirchengemeinde