ZUM SONNTAG

Veränderungen brauchen Raum und Zeit

VON KLAUS MAJORESS

Liebe Leserinnen und liebe Leser!
Es gibt Momente und Ereignisse, da geschieht etwas im Leben, von dem man sich nicht vorstellen kann,
was es eigentlich bedeutet und wie es weitergeht.
Ich kann das von mir so sagen. Bei mir steht der Eintritt in den Ruhestand bevor. Ich werde immer wieder
gefragt, was ich dann mache nach einer so erfüllten Tätigkeit. Ich kann mir vieles vorstellen, aber wie es
wirklich sein wird, bleibt abzuwarten.
Wenn ein Mensch von einem geht, ist es nicht anders und auch nicht, wenn ein neues Leben geboren wird.
Natürlich wird mit viel Freude alles vorbereitet. Aber wie sich der Alltag dann gestaltet mit schlaflosen Nächten und der Sorge,
möglichst alles richtig zu machen, all das lässt sich nicht planen.
Veränderungen mit großer Tragweite brauchen Raum und Zeit, Menschen, die einen begleiten und viel Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.
Die Bibel erzählt von dem Propheten Elia. Elia hatte eine Unheilsbotschaft an den damaligen König gerichtet und ihm drohte die
Ermordung. Er flieht resigniert in die Wüste, um dort zu sterben, voller Verzweiflung. Er sucht Gottes Hilfe, aber sie bleibt lange
aus. Im Wind, im Erdbeben und im Feuer gibt sich Gott nicht zu erkennen. Erst in einem stillen, sanften Säuseln begegnet Gott Elia.
Langsam wandelt sich bei Elia die Verzweiflung in Hoffnung. Er fasst wieder Mut und kann sein Leben wieder in die Hand nehmen.
Mich hat diese Erzählung immer sehr beeindruckt. Man weiß nie, was nach den großen Veränderungen kommt, aber Gott im stillen,
leisen Säuseln suchen und ihm begegnen, kann viel Ermutigung schenken, in kleinen Zeichen, in einer Hand, die ein Mensch einem entgegenstreckt oder in einem Wort, das jemand einem schenkt.
Gott lässt nicht von uns los, das ist unsere Hoffnung, auch wenn es manchmal ganz anders aussieht.
Bleiben Sie in seiner Hand geborgen!
Klaus Majoress ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg