Christus erstrahlt in neuem Licht

Neue Altarbeleuchtung in der Christuskirche bringt Gemälde besser zur Geltung

Lüdenscheid. Kleine Leiste, große Wirkung: In der Lüdenscheider Christuskirche erstrahlt das den Chor dominierende Altarbild in einem anderen Licht: Eine veränderte Beleuchtung offenbart dem Betrachter ganz neue Eindrücke des Gemäldes „Christus in Gethsemane“, das von dem Wuppertaler Künstler Ludwig Fahrenkrog (1867-1952) für die 1902 erbaute Kirche geschaffen wurde.

Obwohl es um nicht mehr als das Anbringen einer LED-Leiste ging, war eine enge Abstimmung zwischen der Gemeinde, der Lüdenscheider Firma Erco und den Denkmalschützern nötig. Involviert waren sowohl die Denkmalbehörde in Lüdenscheid als auch das Westfälische Amt für Denkmalpflege beim Land-
schaftsverband Westfalen-Lippe. Dass es gar nicht so einfach war, unter diesen Bedingungen eine passende Beleuchtungslösung zu entwickeln, erläuterten Dietmar Giedinghagen, Vorsitzender des Bauausschusses der Gemeinde, Wolf-Dieter Thomas, langjähriger ehemaliger Presbyter und dienstältestes Mitglied des Bauausschusses, sowie Pfarrer Rainer Gremmels.
Schließlich wurde eine LED-Leiste am Fuß des Bildes auf seiner ganzen Breite angebracht, die das Bild gleichmäßig von unten beleuchtet. Damit diese Lichtquelle den Effekt schafft und nicht störend in die Optik des Altars eingreift, wurde zwischen den seitlichen Säulen des Altars zusätzlich eine Leiste montiert, die die Lichtquelle vor den Kirchenbesuchern verdeckt. Die Farbe dieser Leiste wurde an das Gestein des Altars angepasst, so dass die Verände-
rung möglichst wenig auffällt.
Auch wenn die Maßnahme unspektakulär erscheint, verbirgt sich dahinter ein hohes Maß an Abstimmungen im Detail, betonte Dietmar Giedinghagen, bis die endgültige Lösung gefunden wurde. Der Effekt für das Gemälde indes ist gewaltig. Bisher wurde das Bild lediglich durch die an den Seiten des Altarraums montierten Strahler mitbeleuchtet. Dadurch wurde das Bild regelrecht auf die dominierende Figur des betenden Christus reduziert. Nicht nur er hat durch die neue Beleuchtung an Strahlkraft gewonnen. Zusätzlich werden Details des dunklen Hintergrunds viel besser sichtbar als zuvor. Die Jünger, im Bild links hinter dem Betenden, habe er selbst jetzt erst wirklich wahrgenommen, sagt Gremmels als langjähriger Gemeindepfarrer an der Christuskirche. Weitere Details, die bislang im Dunkeln regelrecht verborgen waren, sind die Zweige am Fuß des Bildes.
Die Beleuchtung für das Bild war der erste Schritt hin zu einem neuen Beleuchtungskonzept für den Altarraum, das verschiedene stimmungsvolle Szenarien ermöglichen soll. In Abstimmung mit der Firma Erco sollen die bereits bestehenden Lichtschienen mit neuer LED-Technologie ausgestattet werden. Bereits im Vorfeld waren schon zahlreiche Leuchtmittel im Kirchenschiff durch LEDs ersetzt worden. Das sei zwar, beispielsweise für den weit oben hängenden Kron-
leuchter recht aufwendig aber dennoch einfach umzusetzen und vor allem energieeffizient gewesen, betonten Giedinghagen und Thomas.
Die Vorstellung der neuen Beleuchtung für das Altarbild nahm Gremmels zum Anlass, auf die wechselvolle Biografie des Künstlers Ludwig Fahrenkrog hinzu-
weisen. Dieser war zwar zunächst über sakrale Kunst bekannt geworden, hat aber später seine zunehmende Skepsis gegenüber dem Christentum in seinen Werken durchblicken lassen. Schon im Jahr 1900 war er selbst aus der Kirche ausgetreten. Die Natur und germanische Mythologie wurden zunehmend zu seinen Motiven und 1907 rief er sogar zur Gründung einer germanischen Religionsgemeinschaft auf, die 1913 erfolgte.
Über das Altarbild und die Arbeit Fahrenkrogs für die Christuskirche, hat Hartmut Waldminghaus 2015 einen Aufsatz im „Reidemeister“, den Geschichts-
blättern des Geschichts- und Heimatvereins Lüdenscheid, verfasst. Demnach hat Fahrenkrog, von 1898 bis 1931 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Wuppertal-Barmen, nicht nur das Gemälde geschaffen, sondern auch die erste Ausmalung beispielsweise an Chorbögen und Emporenbrüstungen aus-
geführt.
Diese Ausmalungen wurden durch Artilleriebeschuss im April 1945 zerstört und 1955 nach Entwürfen von Paul Thol erneuert. Den Auftrag für die Christuskirche erhielt Fahrenkrog möglicherweise durch Verbindungen zum ebenfalls aus Wuppertal stammenden Architekten, der 1899 mit dem Bau beauftragt wurde.
Das von ihm geschaffene Altarbild ist eine von drei Christusdarstellungen in der Kirche. Das Presbyterium hatte seinerzeit beschlossen, dass der Name der neu zu bauenden Kirche, mit diesen Darstellungen sichtbar gemacht werden sollte. So steht über dem Portal am Turm Christus als Prophet, im Chorfenster ist er als Auferstandener zu sehen und schließlich auf dem Gemälde als betender Hoher Priester. bg

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