Woran hängt mein Herz ?

Gemeindetage
Von Rainer Gremmels

Wenn man Menschen fragt, woran ihr Herz hängt, dann sagen sie z.B.: Mein Herz hängt an den Menschen, die ich liebe.
Oder: Mein Herz hängt daran, dass meine Träume wahr werden. Jemand anders sagt: Mein Herz hängt an meinem Fuß-
ballverein, dem FC...
Und das ist ja auch gut so, wenn nser Herz für jemanden oder für etwas schlägt.
Es kann aber auch sein, dass es etwas gibt in meinem Leben, das mir so wichtig wird, dass es mich ganz gefangen nimmt
und mein ganzes Denken und Fühlen so sehr bestimmt, dass mir das nicht gut tut.
In einer Jugendgruppe gibt es ein Treffen mit dem Thema „Das erste Gebot – woran Menschen ihr Herz hängen.“
Aus Zeitschriften suchen die Jugendlichen Bilder heraus und stellen sie zusammen zu dem Wort von Martin Luther: „Dein
Gott ist das, woran du dein Herz hängst.“
Und da ist es immer wieder überraschend, wie sensibel die Jugendlichen für diese Frage sind.
Wenn man sich die Collagen anschaut, dann findet man da: Fußballspieler, Luxusautos, ganze Berge von Geld, Gesangstars,
schöne, knapp bekleidete Frauen, aber auch schöne Männer, die teuersten Handys und vieles mehr. Die Jugendlichen haben
ein sehr gutes Gespür dafür, was einem im Leben konkurrenzlos wichtig sein kann.
„Dein Gott ist das, woran eigentlich dein Herz hängt.“ Die Bibel macht uns immer wieder darauf aufmerksam, dass wir auf
all diese Dinge nicht unser Leben bauen können, eben weil es Zeiten gibt im Leben, wo uns das alles nicht weiterhilft, weil
es nicht tragfähig ist. Und weil es eben eine Grenze gibt für unser Leben, wo uns das alles nichts mehr nützt.
Martin Luther hat das aufgegriffen in seiner Auslegung zum ersten Gebot und gesagt: „Woran du nun dein Herz hängst und
worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“
Dieser Satz kann uns die Sinne schärfen für die Frage, worauf wir eigentlich unser Leben bauen.
Mit diesem Satz kann ich mich überprüfen, mich orientieren und daran erinnern, was wirklich wichtig ist.
Und wenn wir dann unser Herz wie Luther an Gott verschenken, der uns liebt und der uns festen Boden unter die Füße gibt
für unser Leben, dann kann das eine wirkliche Befreiung sein.
Wenn ich mein Herz an Gott verschenke, der mich trägt mit allem Wunderbaren in meinem Leben, aber auch mit den Narben
und dem Scheitern, werde ich erfahren, dass ich reich beschenkt werde.
Bei den „Gemeindetagen unter dem Wort“ in der kommenden Woche in der Christuskirche wollen wir dieser Frage an den
Abenden nachgehen: Woran hängt mein Herz?
Rainer Gremmels ist Pfarrer der Evangelischen Christuskirchengemeinde.