Wie Ökumene Kirche retten kann

Gläubige diskutieren bei „Denkbar“

LÜDENSCHEID . Ökumenische Treffen und Veranstaltungen sind in Lüdenscheid und Umgebung
seit vielen Jahren fester Bestandteil des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. Wie aber öku-
menische Zusammenarbeit angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen
sowohl in der Katholischen als auch in der Evangelischen Kirche gestaltet und institutionalisiert
werden kann, war Thema am Mittwochabend in der evangelischen Markuskirche.
Eingeladen hatte das Katholische Bistum Essen im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe unter dem
Titel „Denkbar“.
Unter dem Motto „Ene mene öku“ wurde nicht nur über Ökumene diskutiert, sondern es wurden
auch Ökumenische Projekte und Formen von Zusammenarbeit vorgestellt, die auf die Zukunft
ausgerichtet sind und ungeachtet der konfessionellen Unterschiede das Christsein als gemeinsame
Grundlage haben.
Die Teilnehmer, die vor allem aus dem Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid kamen, werteten den
Abend in der abschließenden Gesprächsrunde durchweg positiv. Einig waren sich die meisten, dass
sie viele Anregungen für ihre künftige Arbeit mitgenommen haben, denn alle Pfarreien des Bistums
stehen mitten in den Ausarbeitungen neuer Entwicklungskonzepte.
Dabei geht es oftmals um die Aufgabe von Kirchenund Gemeindegebäuden, aber in erster Linie um
neue Strukturen, um katholisches und christliches Leben insgesamt zukunftsfähig zu machen.
Vier Projekte, bei denen katholische und evangelische Christen kooperieren beziehungsweise ge-
meinsam Gebäude nutzen, wurden im zweiten Teil der Veranstaltung in kleinen Gruppen im Viertel-
stundentakt vorgestellt, sodass jeder Teilnehmer sich über alle Projekte informieren konnte. In
Meschede gibt es seit einigen Jahren ein ökumenisches Kirchenzentrum, das von katholischer und
evangelischer Gemeinde gemeinsam genutzt wird. Beide Konfessionen feiern dort ihre Gottesdienste,
es gibt regelmäßige ökumenische Gottesdienste. Das Gebäude wird für Veranstaltungen genutzt und
dient als Zentrum für den gesamten Stadtteil. In der Stadt Herten waren im nördlichen Stadtteil
sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche zu groß geworden. Da beide Gemeinden
ohnehin schon viel zusammenarbeiteten und sich unterstützten, wurde schließlich die katholische
Kirche St. Barbara bis auf den Glockenturm abgerissen und ein neues, kleineres Kirchengebäude er-
richtet, das nun von beiden Gemeinden genutzt wird.
Ähnliche Überlegungen gibt es in Essen-Gerschede, wo derzeit die rechtlichen Grundlagen eines öku-
menischen Vereins als Träger eines Gebäudes geklärt werden, und in Gladbeck.
In den Gesprächsrunden zuvor hatten Weihbischof Wilhelm Zimmermann, Bischofsvikar für die Ökume-
ne im Ruhrbistum, und der Ökumene-Referent Volker Meißner unter anderem betont, dass das Jahr
des Reformationsjubiläums eine gute Gelegenheit sei, die Ökumene in den Mittelpunkt zu rücken.
Meißner erinnerte an den Aufruf des Bistums und der Landeskirchen von Westfalen und im Rheinland,
dieses Jubiläum gemeinsam zu feiern.
Die Bochumer Pfarrer Michael Kemper (katholisch) und Thomas Vogtmann (evangelisch) berichteten
über die Projekte und die freundschaftliche Zusammenarbeit ihrer Gemeinden.