Urlaub ist besser als Krankenhaus und Kur

Von Irmtraut Huneke
„Urlaub ist besser als Krankenhaus und Kur,“ diese Worte habe ich früher manchmal schmunzelnd zu meinem Mann gesagt. „Denn den Urlaub können wir planen, genießen und wir bezahlen ihn auch selbst.“
Diese Aussage gilt für mich bis heute noch. Darum reise ich auch als Witwe weiter gerne allein. Mich interessieren besonders Menschen, ihre Geschichten, was sie denken und glauben. Als Christen haben wir ja die beste Botschaft der Welt - obwohl sie in den Medien und in alltäglichen Begegnungen kaum vorkommt. So ist es mein Anliegen, Personen zu begegnen, die für diese gute Nach-
richt offen sind.
Da gibt es auf Reisen besonders viele Möglichkeiten. Das fängt schon im Flugzeug an und setzt sich im Hotel fort. In Gesprächen beim Essen, beim Spazierengehen oder auch beim Tanzen. Ich tanze zu Hause täglich auf meinem Trampolin und nutze auch jede Gelegenheit im Urlaub. Tanzen ist für mich Lebensfreude. Hier treffe ich Gleichgesinnte und es entwickeln sich oft gute Gespräche. Ein ganz intensives Gespräch hatte ich mit einer
jungen Mutter von zwei kleinen Kindern auf einer Bank am Strand. Sie erzählte mir, dass ihr Mann gerade beim Arzt sei, weil er es vor lauter Rückenschmerzen nicht mehr aushalten konnte. Als wir uns einige Zeit über alle möglichen Themen ausgetauscht hatten, kam uns ein junger Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht entgegengehumpelt und setzte sich sehr vorsichtig auf die Bank. Wir unterhielten uns nur ganz kurz. Da mir dieser Mann so leidtat, kämpfte ich in meinem Inneren, bevor ich den Mut fand zu sagen: „ Ich weiß nicht, was Sie glauben. Ich bin Christin und würde gern für Sie beten, wenn Sie das möchten?“ Er stimmte sofort zu. Ich fragte: „An welcher Stelle tut es besonders weh?“ Er zeigte es mir. Ich legte meine Hand auf seinen Rücken und betete etwa: „Jesus, Du hast uns Macht gegeben, Deine Kinder zu sein, und in Deiner Vollmacht bete ich jetzt für X. Du bist der beste Heiland und Arzt und Deine Heilungskraft wirkt durch Deinen
Heiligen Geist. Bitte heile Du ihn und lindere seine Schmerzen, Amen.“ Nach dem kurzen Gebet schaute ich ihn an und traute meinen Augen nicht. Sein verzerrtes Gesicht hatte sich in ein strahlendes Lächeln verwandelt. Ich fragte ihn: „Geht es Ihnen schon besser?“ Er antwortete mit einem fröhlichen: „Ja!“ Wir unterhielten uns noch eine kurze Zeit, auch über unseren Glauben und unsere Lebenseinstellung. Ich sagte: „Ich habe gelesen oder gehört, dass unser Gehirn auf unsere eigene Stimme am besten hört. Das hat dann Einfluss auf unseren Körper. Darum ist es wichtig, laut und positiv zu reden.
Worte haben Macht. Das steht auch in der Bibel. Zum Beispiel kann man sagen: Jesus, Du bist mein Heiland und Arzt, in Deinem Namen will ich gesund werden.“ Er sagte dann lachend: „Ja, mein Vater sagt auch immer, alles fängt im Kopf an.“ So verabschiedeten wir uns fröhlich. Am nächsten Tag dachte ich, wie mag es diesem Mann jetzt wohl gehen? Ich überlegte, ob ich wieder zu der gleichen Bank gehen sollte. Während ich das dachte und still betete, kam mir die ganze Familie entgegen. Er schob den Kinderwagen. Ich fragte: „Wie geht es Ihnen?“ Seine Antwort: „Immer besser.“ Welch eine Freude.
So darf ich viele gute Erfahrungen auf meinen Reisen machen. Inzwischen nenne ich sie „kleine Missionsreisen.“ Das Spannungsfeld zwischen Annahme und Ablehnung in den Geprächen aber bleibt. Darum brauche ich immer wieder neuen Mut.
Irmtraut Huneke gehört zur Christuskirche und zum Gesprächsforum