Theologie trifft Psychologie

Anselm Grün referierte in der katholischen Kirche St. Joseph und Medardus.

Anselm Grün referierte in der katholischen Kirche St. Joseph und Medardus.

Bettina Görlitzer

LÜDENSCHEID . Im Rahmen des Reformationsjubiläums wollten auch die Lüdenscheider Christen ein deutliches Zeichen der Ökumene setzen: Am Montagabend referierte Pater Anselm Grün in der katholischen Kirche St. Joseph und Medardus – eingeladen dazu hatte der Evangelische Kir-
chen- kreis Lüdenscheid-Plettenberg in Kooperation mit der katholischen Pfarrei St. Medardus.
Rund 350 Zuhörer – die Kirche war voll besetzt – wollten hören, was der prominente Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach über die „Bilder der Seele“ zu sagen hatte. Aus theologischer, vor allem aber auch aus psychologischer Sicht ging er in Anlehnung an sein gleichnamiges Buch darauf ein, wie die kirchlichen Feste im Verlauf des Jahreskreises eine heilende Wirkung für Menschen entfalten können.
In Anlehnung an den Schweizer Psychologen C. G. Jung erläuterte Grün, dass die Heilsgeschichte Jesu nicht nur historisch zu verstehen sei, son-
dern sie repräsentiere Bilder, die für jeden einzelnen Menschen ähnlich gelten könnten.
Für seinen Vortrag nahm er einige der zentralen Feste des kirchlichen Jahreskreises heraus und setzte sie in Beziehung mit Bildern, die weit über die rein theologische Deutung hinaus gingen.
Seine These lautete, dass Gott die tiefste Sehnsucht der Menschen nach Heimat und Geborgenheit erfülle.
Grün begann mit Weihnachten. Durch dieses Fest dringe das heilsame Licht Gottes in die Welt. Gleichzeitig symbolisiere das von Anfang an gefährdete göttliche Kind das „verletzte, verlorene, übersehene, nicht genügende Kind“, das in jedem Menschen stecken könne.
Über den Verzicht zur Fastenzeit, die Botschaft des Lebens zu Ostern und die Dankbarkeit zu Erntedank („Ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin.“) bewegte sich der Referent durch das Jahr.
Die Wirkung dieser Bilder gelte aber nicht nur für jeden einzelnen, sondern entfalte sich zum Wohle der Gemeinschaft: „Die Feste, die wir feiern, halten die Sehnsucht nach etwas ganz anderem wach. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Humanisierung unserer Gesellschaft“, sagte Anselm Grün abschließend.