Sicher in Gottes Hand

Von Bärbel Wilde

Von Bärbel Wilde
Bald sind die Sommerferien wieder vorbei. Ich erinnere mich an einen Kurzurlaub in den Schweizer Alpen, als mir meine Hüfte noch keine Schwierigkeiten machte. Zum ersten Mal nahm ich an einer geführten Bergwanderung teil. Der schon ältere Berg-
führer war durchtrainiert und bergerfahren. Es ist vielleicht vermessen, einen Menschen mit Gott zu vergleichen, aber irgendwie habe ich mit ihm etwas in Verbindung gebracht, das mit Gottes Fürsorge für die Menschen zu tun hat. Wir wanderten zur Massa-
schlucht durch eine traumhafte sonnendurchflutete Landschaft. Allein hätte ich den Weg nie gefunden. Es ging in die Schlucht hinein. Wir standen vor einem Felsblock: „Da müssen wir drüber“, sagte er. Und wie eine Gemse kletterte er auf den Felsen. Ich stand da und konnte ihm nur zurufen: „Das kann ich nicht.“ Er redete mir gut zu und schließlich versuchte ich es. Er erklärte mir von oben, wo ich meine Hand hinlegen sollte, um mich festzuhalten. Doch da war plötzlich kein Vorsprung mehr. Ich hing hilflos im Felsen. Was jetzt? „Geben Sie mir die Hand“, sagte er. Unmöglich. Ich war dankbar, überhaupt Halt zu haben und jetzt sollte ich
eine Hand vom sicheren Felsen lösen und seine Hand ergreifen. Noch einmal redete er mir gut zu. Und ich ließ los. Er ergriff meine Hand und zog mich nach oben. Mir kam das Wort in den Sinn: „Nichts kann mich aus seiner Hand reißen.“ Bei diesem Bibelwort ist Gottes Hand gemeint. Sie ist nicht so handfest spürbar, wie die Hand des Bergführers. Doch dessen sichtbare Hand ist für mich zu einem Bild für die unsichtbare starke Hand Gottes geworden. Ich kann mich ihr anvertrauen, auch wenn es mir schwerfällt, meine Hand von einem vermeintlich sicheren Halt zu lösen. Wer Gott die Hand reicht, greift nicht ins Leere. Gott will mir helfen. Er hält mich fest. Seine Hand ist noch viel stärker als die Hand eines Menschen. Gott lässt mich nicht fallen. Diese Bergwanderung ist für mich eine schöne Erinnerung. Nicht nur wegen der Schönheit der Landschaft, sondern auch wegen diesem beruhigenden Gefühl: da war jemand, der kannte den Weg. Er ließ mich nicht allein. Er machte mir Mut. Und ich konnte seiner Stärke vertrauen. Wie viel mehr kann ich mich Gott anvertrauen.
Bärbel Wilde ist Pfarrerin i.R. der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde