Immer ein Kompromiss

Felix Hell spielt an der Walcker-Orgel Bach, Mendelssohn und Reger

Der international bekannte Organist Felix Hell ist morgen Abend zu Gast in der Christuskirche. � Foto: Othlinghaus

LÜDENSCHEID   Der international bekannte Organist Felix Hell konzertiert morgen Abend zum fünften Mal in der Christuskirche. Im Rahmen seiner mehrtägigen Proben erzählte der in den USA lebende Organist, warum er so gerne die Bergstadt besucht, was die Walcker-Orgel in der Christuskirche so einzigartig macht und nach welchen Kriterien er ein Konzertprogramm konzipiert. Mit ihm sprach Björn Othlinghaus.
Sie spielen nach eigenen Aussagen immer wieder gerne an der Walcker-Orgel in der Christuskirche. Was macht den Reiz dieses Instruments aus? Felix Hell: Ich habe auf meinen weltweiten Konzertreisen schon auf vielen Instrumenten gespielt, aber es gibt nur ganz wenige Orgeln, die dem Zuhörer eine Art Zeitreise erlauben. Das ist bei dem Instrument in der Christuskirche der Fall – man hat tatsächlich beim Spielen und beim Zuhören das Gefühl, musikalisch in jene Zeit zurückzureisen, in der das Instrument gebaut wurde.
Trifft das auf andere Orgeln nicht zu?
Felix Hell: Es ist immer weniger der Fall. Leider werden alte Instrumente oft unvorteilhaft restauriert. Grundsätzlich gibt es bei der Instandsetzung einer Orgel zwei verschiedene Ziele. Das eine ist die Rekonstruktion des originalen Klanges, das andere die Modernisierung eines alten Instrumentes, das heißt die klangliche Verwandlung einer alten Orgel in eine neue.
Wie haben Sie die Restaurierung der Walcker-Orgel erlebt? Felix Hell: Mein erstes Konzert in Lüdenscheid habe ich noch vor der Restaurierung gegeben, das zweite danach. Da ich teilweise bei beiden Veranstaltungen dieselbe Literatur gespielt habe, hatte ich sozusagen den direkten Vergleich. Das Instrument hat durch die Restaurierung einen Quantensprung gemacht.
An wie vielen Instrumenten spielen sie im Schnitt jährlich? Felix Hell: Derzeit gebe ich etwa 40 Konzerte im Jahr weltweit, es sind aber auch schon einmal 90 gewesen.
Dabei sind 40 Konzerte für das, was ich umsetzen möchte, eine volle Auslastung für ein Jahr, denn allein die Konfiguration eines Instruments und die Proben daran nehmen jedes Mal mindestens 15 Stunden in Anspruch. Mehr Konzerte möchte ich nicht mehr spielen, und ich bin jetzt in einer Position, in der ich mir diesen Luxus leisten kann.
Gibt es bei Orgelkonzerten eine Diskrepanz zwischen dem, was die Menschen hören wollen, und dem, was der Künstler gern spielen möchte. Felix Hell: Ein Orgel-Programm ist immer ein Kompromiss, bei dem die Balance zwischen dem Geschmack des Künstlers und dem des Publikums gehalten werden muss. Ich bemühe mich, bei der Planung, nicht zu egoistisch zu sein, aber es sollte für jeden aufregend und von hoher Qualität sein, eben auch für den, der das Instrument spielt. Ein weiterer Aspekt muss die Frage sein, für welche Literatur die jeweilige Orgel überhaupt geeignet ist. Deshalb sind meine Programme in hohem Maß auch vom Instrument abhängig. Oft wurden OrgelStücke extra für ein bestimmtes Instrument verfasst. So schrieb César Franck zum Beispiel seine Werke überwiegend für die Orgel in der Kirche St. Clotilde in Paris, wo er eine Organistenstelle hatte.
Welche Musik steht im Mittelpunkt des Konzertes in der Christuskirche? Felix Hell: Diesmal dreht sich alles um das 500. Jubiläum der Reformation. Ich spiele Werke von Bach, Mendelssohn und Reger, aber auch moderne Literatur von Enjott Schneider. Außerdem ist es mir ein Anliegen, zu betonen, dass ich mich riesig freue, wieder in Lüdenscheid zu spielen und die Menschen hier wiederzusehen. Ich freue mich auf den Austausch und die Gespräche in der Pause und nach dem Konzert. Das ist mir sehr wichtig, und ich hoffe, dass niemand Berührungsängste hat, mich anzusprechen und über die Musik zu diskutieren.
Das Konzert beginnt um 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr. Karten kosten an der Abendkasse 14 Euro.