„Ich bin auch nur ein Mensch“

Bettina Becker arbeitet mit jungen Leuten aus schwierigen Milieus 

Von Bettina Görlitzer
LÜDENSCHEID . „Wir können nicht zu weit geben. Wir dürfen lieben.“ Das hat Bettina Becker aus ihrer Arbeit mit Menschen gelernt, die aus schwierigen Milieus kommen und mit dem christlichem Glauben bislang kaum Berührung hatten.
Bei den Gemeindetagen unter dem Wort in der Christuskirche erklärte die gebürtige Sauerländerin gestern Abend, an welchen Menschen ihr Herz hängt.
Zuvor zeigte die Theologin und Autorin, die auch Theaterpädagogin und Improschauspielerin ist, im Interview mit Sabine Langenbach, wie spon-
tan eine Theaterszene entstehen kann. Aber das war nur eine Randnotiz des Abends.
Im Vortrag ging es um Beziehungen. Das Herz von Bettina Becker hängt nicht nur an ihrer Familie mit Ehemann und drei Kindern und an Magdeburg, sondern auch an den Menschen, mit denen sie dort arbeitet.
Dabei berichtete sie von einer Geburtstagsfeier, bei der Drogen konsumiert wurden – Bettina Becker und ihr Mann fühlten sich dort nicht wohl, aber die Gastgeberin bat darum, ein christliches Lied zu singen und zum Abschied zu beten.
An diesem Punkt ihres Vortrags stieg Bettina Becker von der Kanzel und berief sich auf Petrus: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.“ Man müsse nicht alles gut finden, sagte sie, aber es sei wchtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, um Beziehungen aufzubauen. Auch, wenn „sie Mist bauen“, könnten sie weiter geliebt werden.
Als Beispiel erzählte sie von einem Fußballturnier, bei dem rechtsgerichtete Jugendliche und Flüchtlinge aufeinandertrafen und das in einer Massenschlägerei endete. Aber sie mag die jungen Leute – auf beiden Seiten.
Denn Bettina Becker ist überzeugt, „dass Liebe Auswirkungen hat.“ Das erlebte sie nach einem Theaterprojekt mit Jugendlichen aus Plattenbausiedlungen – eher kein Erfolg, wie sie meinte. Aber ein Jahr später kam eine Nachricht von einem 15-jährigen Mädchen aus dem Projekt, das ihre Hilfe suchte. Sie war schwanger und Eltern und Freund zwangen sie zur Abtreibung, obwohl sie das Kind wollte.
Bettina Becker konnte ihr nur über Nachrichten mit dem Handy helfen, das durchzustehen. Dann war es eine Arzthelferin, die dem Mädchen den Mut gab, an ihrem Vater vorbei abzuhauen und das Kind zu bekommen.



„Ich bin auch nur ein Mensch“ Die Band ohne Namen übernahm am dritten Abend der Gemeindetage unter dem Wort in der Christuskirche die musikalische Umrahmung der Wortbeiträge. . Fotos: Görlitzer