Brückenschlag zur Gegenwart

Luther-Oratorium in der Christuskirche

Unter der Gesamtleitung der Kirchenmusik-direktorin Ute Springer wurde das Oratorium „Gaff nicht in den Himmel“ in der Christuskirche aufgeführt. . Foto: Schwager

LÜDENSCHEID . Provokant ist der Titel „Gaff nicht in den Himmel“ des Luther-Oratoriums, das Leben und Theologie des Menschen und Reformators beleuchtet.
Sehr beeindruckt bis begeistert war die Reaktion der Zuhörer der jüngsten Aufführung in der Christuskirche.
Getragen wurde die Aufführung in der Hauptsache von der Kinder- und Jugendkantorei und dem Popchor „Rise up“ aus Iserlohn, einem Chorprojekt der Christuskirche sowie einem großen Instrumental-Ensemble.
Die musikalische Leitung der Aufführung lag in den Händen von Kirchenmusikdirektorin Ute Springer. Sie war es auch, die das Werk zur Uraufführung bringen durfte, ein Auftragswerk der Evangelischen Kirche von Westfalen, dessen Komponist Professor Matthias Nagel einen Brückenschlag vom Mittelalter zur Gegenwart umgesetzt hat.
Musikalisch geht es von mittelalterlichem Straßengesang über das eingebaute Luther-Lied bis hin zu neuem geistlichem Gesang, in den Swing, Pop und Rap Eingang finden. Sprechszenen und Lied wechselten einander ab. Ausgelegte Texte, andernorts bei „Gaff nicht in den Himmel“ üblich, wären mehr als hilfreich gewesen. Die verstärkten Sprecher waren wohl zu vernehmen, Liedtexte der vereinigten Chöre aus Iserlohn und Lüdenscheid weit weniger. Dieter Storks Textfülle zerrt bisweilen ein wenig am Fluss des Oratoriums, bietet jedoch verständliche Sprache und trefflichen Inhalt.
Nagel, Beauftragter für Popularmusik der Evangelischen Kirche in Westfalen, unterhält mit seiner Art, dieses Oratorium darzubieten. Er stellt das Lutherlied neben den Chanson, verwebt, setzt Altes, lässt Neues einfließen. Dazu gehören auch die parodistischen Anklänge aus der Renaissance, die in Luthers Zeit führen. Das hielt die Spannung aufrecht. Hinzu kam, dass die zusammengefassten Chöre von Ute Springer zu stimmigem Gesamtklang getrieben wurden und das Instrumentalensemble mit großer Lust aufspielte.
Der „wittenbergischen Nachtigall“, so Dichter Hans Sachs über den geübten Sänger, Lautenspieler und Komponisten Luther, entstammten zwölf im Oratorium verarbeitete Lieder. Darunter „Verleih uns Frieden gnädiglich“, „Christ ist erstanden“ und natürlich die „Marseillaise des Protes-
tantismus“ (Heinrich Heine), „Ein feste Burg ist unser Gott“.
Die Zuhörer erlebten in der Christuskirche eine durchaus bereichernde Aufführung ohne nennenswerte musikalische Höhepunkte. Zwei exzellente Sprecher und dank Springer das Ensemble sorgten jedoch hinreichend für Glanz an diesem Abend. . usc